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ESBL-Bildner

Die Abkürzung ESBL steht für Extended Spectrum ß-Lactamase. Damit ist ein Enzym (Betalactamase) gemeint, welches die sog. ESBL-Bildner exprimieren können. Durch diesen Mechanismus weisen sie eine erweiterte Resistenz gegenüber ß-Laktam-Antibiotika auf.

ESBL-Enzyme kommen bei Enterobakterien vor. Die zurzeit wichtigsten Vertreter sind Escherichia coli und Klebsiella pneumoniae. Allerdings können auch andere Enterobakterien wie Klebsiella oxytoca, Citrobacter ssp., Enterobacter ssp., Morganella morganii, Proteus ssp., Providencia ssp., Salmonella ssp. und Serratia ssp. ESBL-Enzyme bilden.

Es gibt verschiedene Varianten von ESBL-Genotypen. Diese werden zu neun Familien zugeordnet: TEM, SHV, CTX-M, PER, VEB, GES, TLA, BES und OXA. Die wichtigsten davon sind: TEM, SHV und CTX-M.

ESBL-Bildner sind weit verbreitet. Sie besiedeln nicht nur die Darmflora bei Menschen und Tieren, sondern kommen auch in der Umwelt vor. Dabei weisen sie eine hohe Umweltpersistenz auf, da sie mehrere Tage bis Monate auf unbelebten Flächen überleben können. Infektionsquellen sind vor allem Ausscheidungen (Stuhl, Urin) und Sekrete (Sputum etc.), infizierte Wunden, Atemwege, Wasser und Feuchtbereiche, Erde, Pflanzen und Lebensmittel.

Die Übertragung erfolgt meistens durch eine Schmierinfektion über Hände oder über kontaminierte Oberflächen und Gegenstände. Durch eine Besiedelung oder Infektion der Atemwege kann die Übertragung auch z.B. durch eine Tröpfcheninfektion erfolgen.

ESBL-Bildner sind für eine Vielzahl an nosokomialen Infektionen verantwortlich und steigt vor allem bei Intensivpatienten stark an. Da die Bakterien zunehmend aus Krankenhäusern hinausgetragen werden, steigt auch die Infektionsrate unter ambulanten Patienten.

Bei ambulanten Patienten treten vor allem Harnwegsinfektionen auf, die durch „Community-ESBL- Bildner“ mit einem CTX-M-Gen verursacht werden.

Weiter Infektionen, die die ESBL-Bildner verursachen können, sind Atemwegsinfektionen bis hin zu Pneumonien, Sepsis, Wundinfektionen, Meningitis und Infektionen des Gastrointestinaltraktes.

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Infektion mit ESBL-Bildnern wird eine mikrobiologische Untersuchung der Patientenprobe veranlasst. Zum Nachweis einer Kolonisation kann eine perirektale/ rektale Abstrichuntersuchung gemacht. Die verschiedenen Resistenzgene (TEM, SHV, CTX-M) können durch eine ESBL-Multiplex-PCR identifiziert und anschließend sequenziert werden.

Therapie

Bei einer Infektion mit einem multiresistenten Erreger besteht die Gefahr, dass sich eine chronische Infektion entwickelt, die nur sehr schwierig zu behandeln ist. Bei der Diagnose ESBL-bildende Bakterien liegt idealerweise direkt ein Antibiogramm mit vor. Die Behandlung erfolgt mittels Carbapenemen oder mittels Reserveantibiotika wie Tigecyclin oder Colistin. ESBL kann durch ß-Laktamase-Inhibitoren wie Clavulansäure, Sulbactam oder Tazobactam gehemmt werden.

Sanierung

Grundsätzlich sollte keine prophylaktische Sanierung bei Kolonisation mit ESBL-bildenden Erregern durchgeführt werden, da die Behandlung den Selektionsdruck auf die Erreger erhöht und so weitere Antibiotika-Resistenzen entstehen können.

Um eine Infektion oder Kolonisation mit ESBL-bildenden Erregern zu vermeiden, ist es vor allem im Krankenhaus und anderen medizinischen Einrichtungen wichtig, die geltenden Hygieneregeln zu befolgen. Dafür werden im klinischen Bereich darauf ausgelegte Hygienemanagements erstellt, die der Prävention und Bekämpfung der Erreger dienen und entsprechende Verhaltensregeln für Personal und Besucher festlegen.

Patienten, bei denen ESBL-Bildner nachgewiesen wurden, müssen nicht unbedingt isoliert werden, allerdings wird es empfohlen. Zur wichtigsten prophylaktischen Maßnahme um eine Weiterverbreitung zu verhindern, zählt das gründliche Händewaschen und Desinfizieren der Hände der Mitarbeiter vor und nach pflegerischen und medizinischen Maßnahmen am Patienten. Außerdem das regelmäßige Wechseln von Handschuhen und auch Kitteln und Desinfizieren von Flächen und Gegenständen in Krankenhäusern oder anderen medizinischen Einrichtungen. Des Weiteren sollten enge Körperkontakte, Berührungen von Wunden oder das gemeinsame Verwenden von Gegenständen oder Hygieneartikeln unbedingt vermieden werden.

Zum persönlichen Schutz ist daher eine korrekte Händehygiene unerlässlich. Im Alltag ist ein regelmäßiges gründliches Händewaschen ausreichend, während bei Besuchen im Krankenhaus oder anderen medizinischen Einrichtungen das verfügbare Händedesinfektionsmittel angewendet werden sollte.

Außerdem ist der bewusste und kontrollierte Einsatz von Antibiotika wichtig, um die Entwicklung neuer Resistenzen einzudämmen.